Bandinfo: Qntal
Offizielle Webseite: http://www.qntal.de/
MySpace Profil: http://www.myspace.com/qntal
Schon 1992 als QNTAL ihr Debütalbum vorlegten, zierte ein lichtdurchflutetes Ornament das Cover, das an die prächtigen Fensterrosetten gotischer Kathedralen erinnerte. Seither tauchte dieses grafische Element auf jeder Veröffentlichung auf – in immer neuen Variationen. Hatte sich die Form zuletzt bei „Silver Swan“ zu einer Fibel verfestigt, so löst sie sich nun wieder auf, wird transparent – ganz dem Titel von QNTAL VI gemäß: „Translucida“.
„Silver Swan“ entführte in eine klanglich opulente Parallelwelt. Mit QNTAL VI legen Michael Popp, Syrah (bürgerlich: Sigrid Hausen) und Philipp Groth nun das passende Gegenstück zu diesem Epos vor. War das Bestreben zuletzt, die elektronischen Anteile der Musik möglichst organisch klingen zu lassen, so nähern sich diesmal die mittelalterlichen Klänge der Elektronik an. Mit seiner klaren Tonsprache ist „QNTAL VI – Translucida“ wieder verstärkt unserer Zeit zugewandt. Das schließt den Blick zurück nicht aus. Die Musik QNTALs bleibt nach beiden Seiten durchsichtig: wie ein Fenster.
Die Moderne ins Mittelalter und das Mittelalter in die Moderne zu tragen – dieser Ansatz zeichnet das Schaffen von QNTAL aus, seit Michael Popp und Syrah, beide Absolventen des Mozarteums in Salzburg, die Band 1991 zusammen mit Ernst Horn ins Leben rufen. Beide hatten sich während des Studiums eingehend mit alter Musik befasst. Im Anschluss war Michael Popp als freier Theatermusiker und –komponist am Wiener Burgtheater oder den Münchner Kammerspielen tätig und dort wie in der freien Theaterszene an zahlreichen Inszenierungen beteiligt, zudem als Live-Gitarrist und Mittelalterinstrumentalist mit Ernst Horn bei DEINE LAKAIEN aktiv und gemeinsam mit Syrah und ESTAMPIE mit einer eigenen Interpretation mittelalterlicher Musik befasst.
Nun also QNTAL. Der Brückenschlag zwischen Historie und Avantgarde. Erste Erfolge lassen nicht lange auf sich warten. Mit „Ad Mortem Festinamus“ vom Debüt „QNTAL I“ kann die Band einen ersten Clubhit verzeichnen. „QNTAL II“ legt mit Walter von der Vogelweides „Palästinalied“ nach. Das Trio begnügt sich nicht damit, mittelalterliches mit Beats aufzupeppen. QNTAL vermitteln Gefühls- und Gedankenwelten, die für das 12. und das 21. Jahrhundert Gültigkeit besitzen: Liebe, Trauer, Sehnsucht, Schönheit, Transzendenz. Wie das Glasornament in der gotischen Architektur bildet die Musik von QNTAL einen Fokus von hoher suggestiver Kraft. Das Austreten aus dem Alltag ist für den Hörer am Ende ebenso möglich, wie die Auseinandersetzung mit der eigenen Realität.
Gemeinsam mit dem für Ernst Horn zur Band gestoßenen Produzenten und Keyboarder Philipp Groth widmen sich QNTAL im Jahr 2003 dem Sagenkreis um Tristan und Isolde. Ein Zuwachs an klanglichen Details und die Verdichtung der einzelnen Stücke zu einem Konzeptalbum setzen neue Maßstäbe. Auch vom Erfolg her: „QNTAL III“ erreicht Platz 2 der Deutschen Alternative Charts. Die Magie der Live-Auftritte von QNTAL dokumentiert eine erste DVD, die einen Konzertmitschnitt aus dem Leipziger Schauspielhaus enthält.
Auf „QNTAL IV – Ozymandias“ weitet die Band im Anschluss den zeitlichen Horizont ihres musikalischen Universums aus, indem sie ein Gedicht des englischen Romantikers Percy Shelley vertont, mit dem Lautenlied „Flow“ die Renaissance und mit Henry Purcells Arie „Remember Me“ das Zeitalter des Barock mit einbezieht. Der Kern des QNTAL-Stils bleibt jedoch unangetastet. Mit den Neuerungen geht die Verfeinerung alter Stärken einher. Resultat: die Single „Cupido“ steigt bis auf Platz 1 der Deutschen Alternative Charts.
„QNTAL V – Silver Swan“ schließlich ist eine epische Reise durch eine andere Wirklichkeit. Ein Filmscore ohne Film, sieht man vom stimmungsvollen Videoclip zu „Von den Elben“ ab. Hier kommen QNTAL dem Ziel einer neu erschaffenen alten Musik ganz nahe. Doch die andere, die elektronische Seite ist nur einen Schulterblick entfernt.
„Translucida“ – zwischen Vergangenheit und Zukunft
Nun kehren QNTAL der Feenwelt den Rücken. Glockenhelle Sounds bringen auf „Translucida“ die Wurzeln der Band wieder ans Licht. Statt großer Gesten dominiert schlichte Eleganz. Durchsichtige Arrangements lenken die Aufmerksamkeit ganz auf Syrahs facettenreichen Gesang, dem sich diesmal keine chorischen Passagen hinzugesellen. Vom irisierend schwebenden Opener „Sleeping“ bis zur „Passacaglia“, mit der die schwermütige Seite Antonio Vivaldis offenbart wird, durchmisst die Ausnahmestimme der klassisch geschulten Sängerin die unterschiedlichsten Klangräume. Neben getragen Momenten finden sich auf dem mittlerweile sechsten QNTAL-Werk auch weitere Kandidaten für den Clubeinsatz. „Sumer“ etwa, „Ludus“ oder auch „Glacies“, ein mittelalterliches Tanzstück, das konsequent synthetisiert wurde, ohne die ihm innewohnende Lebensfreude zu schmälern.
„QNTAL VI – Translucida“ führt Vergangenheit und Gegenwart gleich im doppelten Sinne zusammen: Im Hinblick auf die Geschichte und in Bezug auf die Biografie der Band. Das Album eröffnet mit seiner ausgewogenen Mischung aus Rückbesinnung und Innovation die Möglichkeit, wahlweise zurück zu blicken oder nach vorn: QNTAL sind auch 2008 auf beiden Seiten des Zeitstrahls zu finden.
Der Schwan zählt fraglos zu jenen Wesen, die seit jeher eine große Faszination auf den Menschen ausüben. Das gleichnamige Sternbild, das am nördlichen Sommerhimmel erstrahlt, zählt zu den Erbstücken der antiken griechischen Astronomie. Das erotische Tête à Tête zwischen Leda und dem zum Schwan gewordenen Zeus wurde zur Vorlage einer Vielzahl bildlicher Darstellungen. Bei den Kelten stand der Schwan für Reinheit, Schönheit und Verwandlung, im christlichen Mittelalter avancierte er später zum Mariensymbol und durfte zudem einen im wahrsten Sinne des Wortes schwarzhumorigen Auftritt in der populärsten aller Liedersammlung des Mittelalters, den Carmina Burana absolvieren, wo in Cignus Ustus Cantat ein gebratener Vertreter der weißen Wasservögel sein Leid klagt.
Klage kennzeichnet auch das Madrigal Silver Swan des britischen Komponisten Orlando Gibbons (1583 - 1625), dem das jüngste Werk des grenzüberschreitenden Trios QNTAL seinen Titel verdankt. More geese than swans now live, more fools than wise, heißt es desillusioniert im Text des 1612 erstmals veröffentlichten Stücks. Das trifft machen wir uns nichts vor leider immer noch zu. Die schnatternde Schlichtheit der Gänse ist, metaphorisch betrachtet, weit verbreiteter als die mysteriöse Grazie des Schwans. Geschnatter erklingt nach häufiger, als der Gesang des schönen Tieres, dessen lateinischen Namen Cygnus der Heilige Isidor von Sevilla (560 -636 n. Chr.) auf das Wort canere, singen, zurückführte. In den nördlichen Ländern, so berichtete er, flögen die Schwäne zu den Harfenspielern und stimmten in deren Lieder mit ein. Ein bewegendes Bild für den Zauber der Musik, der heute nur allzu gern vernachlässigt wird.
Michael Popp, Syrah (bürgerlich: Sigrid Hausen) und Philipp Groth geben solchen magischen Momenten wieder Raum und erweisen sich so des edlen, für ihre aktuelle Veröffentlichung erwählten, künstlerischen Wappentiers auf QNTAL V Silver Swan als absolut würdig. Reinheit, Schönheit und Verwandlung diese Stichworte der überlieferten Symbolik treffen auf das gemeinsame Schaffen der drei Musiker uneingeschränkt zu. Die Reinheit des künstlerischen Anspruchs gebiert Werke von mal dunkler, mal lichter Schönheit, die die Gabe besitzen, den Hörer unmittelbar zu berühren, weil die Klarheit der zugrunde liegenden Gedanken auch komplexe Strukturen zu bündeln und zu vermitteln vermag.
Vor allem aber ziehen sich Wandel und Verwandlung von Beginn an als roter Faden durch das Schaffen QNTALs. Damals, im Jahre 1991, gründeten Michael Popp und Syrah, die Band gemeinsam mit Ernst Horn. Multiinstrumentalist Popp war nach seinem Musikstudium am Mozarteum in Salzburg als freier Theatermusiker und komponist an staatlichen Bühnen wie dem Wiener Burgtheater oder den Münchner Kammerspielen, aber auch in der freien Theaterszene tätig gewesen und hatte an zahlreichen Inszenierungen, Performances und Tanztheateraufführungen mitgewirkt. Sängerin Sigrid Hausen hatte ebenfalls am Mozarteum Gesang und Blockflöte studiert und Meisterkurse bei René Jakobs und Montserrat Figueras von Hesperion XXI. belegt. Zudem hatten beide in Salzburg bei Nikolaus Harnoncourt, einer prägenden Gestalt in punkto Aufführungspraxis Alter Musik gelernt. Da auch Horn ein Musikhochschulstudium absolviert hatte, waren die Wurzeln im klassischen Bereich naturgemäß unverkennbar. Allerdings wandelten Ernst Horn und Michael Popp (als Live-Mitglied an Gitarre und mittelalterlichen Instrumenten) gleichzeitig bereits mit DEINE LAKAIEN auf gänzlich anderen musikalischen Pfaden und legten gemeinsam den Grundstein für den späteren Erfolg dieser Band.
Auch QNTAL konnten von Anfang an beachtliche Erfolge für sich verbuchen. Weiteten Michael Popp und Syrah im Kontext des Ensembles ESTAMPIE die Grenzen einer konservativer Interpretation mittelalterlicher Werke aus, indem sie zunehmend weltmusikalische Elemente einbanden, so stand QNTAL von Anfang an für die Begegnung von anspruchsvollem Pop und historischen Klängen frei von jeglichen stilistischen Grenzziehungen. Die Musik der Band ist nicht verkopft, aber intelligent, anspruchsvoll, aber keineswegs unzugänglich. Kein Wunder also, dass bereits das erste, schlicht QNTAL I betitelte Album einen waschechten Clubhit hervor brachte: Ad Mortem Festinamus die elektronische Metamorphose eines Tanzliedes aus dem Libre Vermell de Montserat.
2001 verließ Ernst Horn die Band. Mit dem Einstieg des Berliner Produzenten, Keyboarders und Komponisten Philipp Groth bei QNTAL wurde die Innovationskraft des Trios schließlich noch einmal entscheidend gestärkt. QNTAL III lotete 2003 mit seinen ausgesuchten Klangtüfteleien neue Facetten im Kosmos der undogmatischen Vordenker aus im Rahmen eines hochemotionalen Konzeptalbums, dem eine der größten Liebesgeschichten zugrunde liegt: Tristan und Isolde, ein Stoff, der nun, Jahre später, auch von Hollywood entdeckt wurde. Die vielschichtige Veröffentlichung kletterte bis auf Platz 2 der Deutschen Alternative Jahrescharts 2003.
Nie wirken die modernen Elemente in der Musik QNTALs dabei wie bloße Vehikel, um überlieferte Texte und Melodien marktgerecht aufzubereiten, nie begnügt sich die Band damit, den Eskapismus in eine zur heilen Gegenwelt stilisierte Vergangenheit zu fördern. Stattdessen spürt sie jenen Stimmungen und Gefühlen nach, die wahrhaft zeitlos sind und trägt sie mittels Syrahs einzigartiger Stimme und vollkommen eigenständiger, Damals und Heute vereinender Klänge auf die Tanzflächen und in die Herzen des Publikums. Wie gut letzteres auch auf der Bühne funktioniert, davon zeugt die erste QNTAL-DVD Live, ein Mitschnitt des Konzertes, das am 11.06.2003 im Leipziger Schauspielhaus stattfand.
Dass die stilistische Offenheit der drei Musiker nicht bei der Verschmelzung von Mittelalter und Elektronik halt macht, zeigte sich endgültig auf dem 2005 veröffentlichten Silberling QNTAL IV Ozymandias. Der Text zum Titelstück stammt aus der Feder des englischen Romantikers Percy Bysshe Shelley (1792 - 1822), mit Flow findet sich eine Lautenkomposition aus der Renaissance auf dem Album, während der Abschluss von der Arie Remember Me aus Henry Purcells Barockoper Dido und Aeneas gebildet wird. So ist Ozymandias ein weiterer Beweis der Wandlungsfähigkeit, wie der Integrationskraft des kreativen Gespanns, denn der hier praktizierte Blick über den Tellerrand geht ohne Brüche oder Einbußen an Identität und Schlüssigkeit vonstatten. Der Einstieg auf Platz 71 der Media Control Charts und die Pole-Position für die Single-Auskopplung Cupido in den Deutschen Alternative Charts verdeutlichten nachdrücklich, wie gut es QNTAL verstehen, ein breit gefächertes Publikum anzusprechen, das von Album zu Album wächst.
Nun also Silver Swan. Mit gelben Birnen hänget/Und voll mit wilden Rosen/Das Land in den See/Ihr holden Schwäne/Und trunken von Küssen/Tunkt ihr das Haupt/Ins heilignüchterne Wasser. Ähnlich paradiesisch wie das Bild, das diese 1804 veröffentlichten Worte Friedrich Hölderlins vor dem inneren Auge hervorrufen sind die Klanglandschaften beschaffen, in die QNTAL uns mit ihrem fünften Studioalbum einladen. Es ist beileibe kein Zufall, dass das Coverartwork ausgerechnet von Brian Froud, dem Designer märchenhafter Fantasy-Klassiker wie Labyrinth oder Der Dunkle Kristall stammt und an ein magisch aufgeladenes Siegel erinnert, hinter dem sich ein träumerisches Paralleluniversum auftut. Die Welt, aus der Sängerin Syrah einst die Eingebung erhielt, die Band QNTAL zu nennen? Diesmal jedenfalls gönnen sie, Michael Popp und Philipp Groth ihren Hörern zwischen dem harmonisch fließenden Elbensong und dem verspielt tänzerischen Levis eine wohltuende Auszeit vom Alltag. Nicht im nachempfundenen Mittelalter, sondern in einem mystischen Niemandsland, das sich in seinen geradezu meditativen Momenten in die Nähe zu Künstlern wie DEAD CAN DANCE, ENYA oder LOREENA McKENNIT begibt, gleichzeitig aber in jedem Moment unverkennbar eine QNTAL-Schöpfung bleibt, die den Kreis der begeisterten Hörer ein weiteres mal vergrößern dürfte.
Die Überraschung ist perfekt. Die nächste Verwandlung vollzogen. Spätestens jetzt wird auch der Letzte einsehen müssen, dass alle Versuche QNTAL in einer wie auch immer gearteten Szene dingfest zu machen zum Scheitern verurteilt sind. Historische Instrumente, orientalisch anmutende Percussion und fein abgestimmte elektronische Versatzstücke führen die Idee, eine neue Alte Musik zu erschaffen konsequent fort. Konsequent anders und doch mit der gleichen Gabe gesegnet, an jene ursprünglichen Gefühle und Fantasien zu rühren, die die Menschheit seit jeher umtreiben. Müßig, darüber nachzugrübeln, was künftig von QNTAL zu erwarten ist. Wie die nächste Klang-Metamorphose des Trios aussehen wird, steht in den Sternen. Und bis diese ihr Geheimnis preisgeben ist es ratsam, das Grübeln einzustellen, ruhig durchzuatmen und sich die Zeit zu nehmen, den betörend schönen Bahnen des silbernen Schwans zu folgen.
MySpace Profil: http://www.myspace.com/qntal
Schon 1992 als QNTAL ihr Debütalbum vorlegten, zierte ein lichtdurchflutetes Ornament das Cover, das an die prächtigen Fensterrosetten gotischer Kathedralen erinnerte. Seither tauchte dieses grafische Element auf jeder Veröffentlichung auf – in immer neuen Variationen. Hatte sich die Form zuletzt bei „Silver Swan“ zu einer Fibel verfestigt, so löst sie sich nun wieder auf, wird transparent – ganz dem Titel von QNTAL VI gemäß: „Translucida“.
„Silver Swan“ entführte in eine klanglich opulente Parallelwelt. Mit QNTAL VI legen Michael Popp, Syrah (bürgerlich: Sigrid Hausen) und Philipp Groth nun das passende Gegenstück zu diesem Epos vor. War das Bestreben zuletzt, die elektronischen Anteile der Musik möglichst organisch klingen zu lassen, so nähern sich diesmal die mittelalterlichen Klänge der Elektronik an. Mit seiner klaren Tonsprache ist „QNTAL VI – Translucida“ wieder verstärkt unserer Zeit zugewandt. Das schließt den Blick zurück nicht aus. Die Musik QNTALs bleibt nach beiden Seiten durchsichtig: wie ein Fenster.
Die Moderne ins Mittelalter und das Mittelalter in die Moderne zu tragen – dieser Ansatz zeichnet das Schaffen von QNTAL aus, seit Michael Popp und Syrah, beide Absolventen des Mozarteums in Salzburg, die Band 1991 zusammen mit Ernst Horn ins Leben rufen. Beide hatten sich während des Studiums eingehend mit alter Musik befasst. Im Anschluss war Michael Popp als freier Theatermusiker und –komponist am Wiener Burgtheater oder den Münchner Kammerspielen tätig und dort wie in der freien Theaterszene an zahlreichen Inszenierungen beteiligt, zudem als Live-Gitarrist und Mittelalterinstrumentalist mit Ernst Horn bei DEINE LAKAIEN aktiv und gemeinsam mit Syrah und ESTAMPIE mit einer eigenen Interpretation mittelalterlicher Musik befasst.
Nun also QNTAL. Der Brückenschlag zwischen Historie und Avantgarde. Erste Erfolge lassen nicht lange auf sich warten. Mit „Ad Mortem Festinamus“ vom Debüt „QNTAL I“ kann die Band einen ersten Clubhit verzeichnen. „QNTAL II“ legt mit Walter von der Vogelweides „Palästinalied“ nach. Das Trio begnügt sich nicht damit, mittelalterliches mit Beats aufzupeppen. QNTAL vermitteln Gefühls- und Gedankenwelten, die für das 12. und das 21. Jahrhundert Gültigkeit besitzen: Liebe, Trauer, Sehnsucht, Schönheit, Transzendenz. Wie das Glasornament in der gotischen Architektur bildet die Musik von QNTAL einen Fokus von hoher suggestiver Kraft. Das Austreten aus dem Alltag ist für den Hörer am Ende ebenso möglich, wie die Auseinandersetzung mit der eigenen Realität.
Gemeinsam mit dem für Ernst Horn zur Band gestoßenen Produzenten und Keyboarder Philipp Groth widmen sich QNTAL im Jahr 2003 dem Sagenkreis um Tristan und Isolde. Ein Zuwachs an klanglichen Details und die Verdichtung der einzelnen Stücke zu einem Konzeptalbum setzen neue Maßstäbe. Auch vom Erfolg her: „QNTAL III“ erreicht Platz 2 der Deutschen Alternative Charts. Die Magie der Live-Auftritte von QNTAL dokumentiert eine erste DVD, die einen Konzertmitschnitt aus dem Leipziger Schauspielhaus enthält.
Auf „QNTAL IV – Ozymandias“ weitet die Band im Anschluss den zeitlichen Horizont ihres musikalischen Universums aus, indem sie ein Gedicht des englischen Romantikers Percy Shelley vertont, mit dem Lautenlied „Flow“ die Renaissance und mit Henry Purcells Arie „Remember Me“ das Zeitalter des Barock mit einbezieht. Der Kern des QNTAL-Stils bleibt jedoch unangetastet. Mit den Neuerungen geht die Verfeinerung alter Stärken einher. Resultat: die Single „Cupido“ steigt bis auf Platz 1 der Deutschen Alternative Charts.
„QNTAL V – Silver Swan“ schließlich ist eine epische Reise durch eine andere Wirklichkeit. Ein Filmscore ohne Film, sieht man vom stimmungsvollen Videoclip zu „Von den Elben“ ab. Hier kommen QNTAL dem Ziel einer neu erschaffenen alten Musik ganz nahe. Doch die andere, die elektronische Seite ist nur einen Schulterblick entfernt.
„Translucida“ – zwischen Vergangenheit und Zukunft
Nun kehren QNTAL der Feenwelt den Rücken. Glockenhelle Sounds bringen auf „Translucida“ die Wurzeln der Band wieder ans Licht. Statt großer Gesten dominiert schlichte Eleganz. Durchsichtige Arrangements lenken die Aufmerksamkeit ganz auf Syrahs facettenreichen Gesang, dem sich diesmal keine chorischen Passagen hinzugesellen. Vom irisierend schwebenden Opener „Sleeping“ bis zur „Passacaglia“, mit der die schwermütige Seite Antonio Vivaldis offenbart wird, durchmisst die Ausnahmestimme der klassisch geschulten Sängerin die unterschiedlichsten Klangräume. Neben getragen Momenten finden sich auf dem mittlerweile sechsten QNTAL-Werk auch weitere Kandidaten für den Clubeinsatz. „Sumer“ etwa, „Ludus“ oder auch „Glacies“, ein mittelalterliches Tanzstück, das konsequent synthetisiert wurde, ohne die ihm innewohnende Lebensfreude zu schmälern.
„QNTAL VI – Translucida“ führt Vergangenheit und Gegenwart gleich im doppelten Sinne zusammen: Im Hinblick auf die Geschichte und in Bezug auf die Biografie der Band. Das Album eröffnet mit seiner ausgewogenen Mischung aus Rückbesinnung und Innovation die Möglichkeit, wahlweise zurück zu blicken oder nach vorn: QNTAL sind auch 2008 auf beiden Seiten des Zeitstrahls zu finden.
Der Schwan zählt fraglos zu jenen Wesen, die seit jeher eine große Faszination auf den Menschen ausüben. Das gleichnamige Sternbild, das am nördlichen Sommerhimmel erstrahlt, zählt zu den Erbstücken der antiken griechischen Astronomie. Das erotische Tête à Tête zwischen Leda und dem zum Schwan gewordenen Zeus wurde zur Vorlage einer Vielzahl bildlicher Darstellungen. Bei den Kelten stand der Schwan für Reinheit, Schönheit und Verwandlung, im christlichen Mittelalter avancierte er später zum Mariensymbol und durfte zudem einen im wahrsten Sinne des Wortes schwarzhumorigen Auftritt in der populärsten aller Liedersammlung des Mittelalters, den Carmina Burana absolvieren, wo in Cignus Ustus Cantat ein gebratener Vertreter der weißen Wasservögel sein Leid klagt.
Klage kennzeichnet auch das Madrigal Silver Swan des britischen Komponisten Orlando Gibbons (1583 - 1625), dem das jüngste Werk des grenzüberschreitenden Trios QNTAL seinen Titel verdankt. More geese than swans now live, more fools than wise, heißt es desillusioniert im Text des 1612 erstmals veröffentlichten Stücks. Das trifft machen wir uns nichts vor leider immer noch zu. Die schnatternde Schlichtheit der Gänse ist, metaphorisch betrachtet, weit verbreiteter als die mysteriöse Grazie des Schwans. Geschnatter erklingt nach häufiger, als der Gesang des schönen Tieres, dessen lateinischen Namen Cygnus der Heilige Isidor von Sevilla (560 -636 n. Chr.) auf das Wort canere, singen, zurückführte. In den nördlichen Ländern, so berichtete er, flögen die Schwäne zu den Harfenspielern und stimmten in deren Lieder mit ein. Ein bewegendes Bild für den Zauber der Musik, der heute nur allzu gern vernachlässigt wird.
Michael Popp, Syrah (bürgerlich: Sigrid Hausen) und Philipp Groth geben solchen magischen Momenten wieder Raum und erweisen sich so des edlen, für ihre aktuelle Veröffentlichung erwählten, künstlerischen Wappentiers auf QNTAL V Silver Swan als absolut würdig. Reinheit, Schönheit und Verwandlung diese Stichworte der überlieferten Symbolik treffen auf das gemeinsame Schaffen der drei Musiker uneingeschränkt zu. Die Reinheit des künstlerischen Anspruchs gebiert Werke von mal dunkler, mal lichter Schönheit, die die Gabe besitzen, den Hörer unmittelbar zu berühren, weil die Klarheit der zugrunde liegenden Gedanken auch komplexe Strukturen zu bündeln und zu vermitteln vermag.
Vor allem aber ziehen sich Wandel und Verwandlung von Beginn an als roter Faden durch das Schaffen QNTALs. Damals, im Jahre 1991, gründeten Michael Popp und Syrah, die Band gemeinsam mit Ernst Horn. Multiinstrumentalist Popp war nach seinem Musikstudium am Mozarteum in Salzburg als freier Theatermusiker und komponist an staatlichen Bühnen wie dem Wiener Burgtheater oder den Münchner Kammerspielen, aber auch in der freien Theaterszene tätig gewesen und hatte an zahlreichen Inszenierungen, Performances und Tanztheateraufführungen mitgewirkt. Sängerin Sigrid Hausen hatte ebenfalls am Mozarteum Gesang und Blockflöte studiert und Meisterkurse bei René Jakobs und Montserrat Figueras von Hesperion XXI. belegt. Zudem hatten beide in Salzburg bei Nikolaus Harnoncourt, einer prägenden Gestalt in punkto Aufführungspraxis Alter Musik gelernt. Da auch Horn ein Musikhochschulstudium absolviert hatte, waren die Wurzeln im klassischen Bereich naturgemäß unverkennbar. Allerdings wandelten Ernst Horn und Michael Popp (als Live-Mitglied an Gitarre und mittelalterlichen Instrumenten) gleichzeitig bereits mit DEINE LAKAIEN auf gänzlich anderen musikalischen Pfaden und legten gemeinsam den Grundstein für den späteren Erfolg dieser Band.
Auch QNTAL konnten von Anfang an beachtliche Erfolge für sich verbuchen. Weiteten Michael Popp und Syrah im Kontext des Ensembles ESTAMPIE die Grenzen einer konservativer Interpretation mittelalterlicher Werke aus, indem sie zunehmend weltmusikalische Elemente einbanden, so stand QNTAL von Anfang an für die Begegnung von anspruchsvollem Pop und historischen Klängen frei von jeglichen stilistischen Grenzziehungen. Die Musik der Band ist nicht verkopft, aber intelligent, anspruchsvoll, aber keineswegs unzugänglich. Kein Wunder also, dass bereits das erste, schlicht QNTAL I betitelte Album einen waschechten Clubhit hervor brachte: Ad Mortem Festinamus die elektronische Metamorphose eines Tanzliedes aus dem Libre Vermell de Montserat.
2001 verließ Ernst Horn die Band. Mit dem Einstieg des Berliner Produzenten, Keyboarders und Komponisten Philipp Groth bei QNTAL wurde die Innovationskraft des Trios schließlich noch einmal entscheidend gestärkt. QNTAL III lotete 2003 mit seinen ausgesuchten Klangtüfteleien neue Facetten im Kosmos der undogmatischen Vordenker aus im Rahmen eines hochemotionalen Konzeptalbums, dem eine der größten Liebesgeschichten zugrunde liegt: Tristan und Isolde, ein Stoff, der nun, Jahre später, auch von Hollywood entdeckt wurde. Die vielschichtige Veröffentlichung kletterte bis auf Platz 2 der Deutschen Alternative Jahrescharts 2003.
Nie wirken die modernen Elemente in der Musik QNTALs dabei wie bloße Vehikel, um überlieferte Texte und Melodien marktgerecht aufzubereiten, nie begnügt sich die Band damit, den Eskapismus in eine zur heilen Gegenwelt stilisierte Vergangenheit zu fördern. Stattdessen spürt sie jenen Stimmungen und Gefühlen nach, die wahrhaft zeitlos sind und trägt sie mittels Syrahs einzigartiger Stimme und vollkommen eigenständiger, Damals und Heute vereinender Klänge auf die Tanzflächen und in die Herzen des Publikums. Wie gut letzteres auch auf der Bühne funktioniert, davon zeugt die erste QNTAL-DVD Live, ein Mitschnitt des Konzertes, das am 11.06.2003 im Leipziger Schauspielhaus stattfand.
Dass die stilistische Offenheit der drei Musiker nicht bei der Verschmelzung von Mittelalter und Elektronik halt macht, zeigte sich endgültig auf dem 2005 veröffentlichten Silberling QNTAL IV Ozymandias. Der Text zum Titelstück stammt aus der Feder des englischen Romantikers Percy Bysshe Shelley (1792 - 1822), mit Flow findet sich eine Lautenkomposition aus der Renaissance auf dem Album, während der Abschluss von der Arie Remember Me aus Henry Purcells Barockoper Dido und Aeneas gebildet wird. So ist Ozymandias ein weiterer Beweis der Wandlungsfähigkeit, wie der Integrationskraft des kreativen Gespanns, denn der hier praktizierte Blick über den Tellerrand geht ohne Brüche oder Einbußen an Identität und Schlüssigkeit vonstatten. Der Einstieg auf Platz 71 der Media Control Charts und die Pole-Position für die Single-Auskopplung Cupido in den Deutschen Alternative Charts verdeutlichten nachdrücklich, wie gut es QNTAL verstehen, ein breit gefächertes Publikum anzusprechen, das von Album zu Album wächst.
Nun also Silver Swan. Mit gelben Birnen hänget/Und voll mit wilden Rosen/Das Land in den See/Ihr holden Schwäne/Und trunken von Küssen/Tunkt ihr das Haupt/Ins heilignüchterne Wasser. Ähnlich paradiesisch wie das Bild, das diese 1804 veröffentlichten Worte Friedrich Hölderlins vor dem inneren Auge hervorrufen sind die Klanglandschaften beschaffen, in die QNTAL uns mit ihrem fünften Studioalbum einladen. Es ist beileibe kein Zufall, dass das Coverartwork ausgerechnet von Brian Froud, dem Designer märchenhafter Fantasy-Klassiker wie Labyrinth oder Der Dunkle Kristall stammt und an ein magisch aufgeladenes Siegel erinnert, hinter dem sich ein träumerisches Paralleluniversum auftut. Die Welt, aus der Sängerin Syrah einst die Eingebung erhielt, die Band QNTAL zu nennen? Diesmal jedenfalls gönnen sie, Michael Popp und Philipp Groth ihren Hörern zwischen dem harmonisch fließenden Elbensong und dem verspielt tänzerischen Levis eine wohltuende Auszeit vom Alltag. Nicht im nachempfundenen Mittelalter, sondern in einem mystischen Niemandsland, das sich in seinen geradezu meditativen Momenten in die Nähe zu Künstlern wie DEAD CAN DANCE, ENYA oder LOREENA McKENNIT begibt, gleichzeitig aber in jedem Moment unverkennbar eine QNTAL-Schöpfung bleibt, die den Kreis der begeisterten Hörer ein weiteres mal vergrößern dürfte.
Die Überraschung ist perfekt. Die nächste Verwandlung vollzogen. Spätestens jetzt wird auch der Letzte einsehen müssen, dass alle Versuche QNTAL in einer wie auch immer gearteten Szene dingfest zu machen zum Scheitern verurteilt sind. Historische Instrumente, orientalisch anmutende Percussion und fein abgestimmte elektronische Versatzstücke führen die Idee, eine neue Alte Musik zu erschaffen konsequent fort. Konsequent anders und doch mit der gleichen Gabe gesegnet, an jene ursprünglichen Gefühle und Fantasien zu rühren, die die Menschheit seit jeher umtreiben. Müßig, darüber nachzugrübeln, was künftig von QNTAL zu erwarten ist. Wie die nächste Klang-Metamorphose des Trios aussehen wird, steht in den Sternen. Und bis diese ihr Geheimnis preisgeben ist es ratsam, das Grübeln einzustellen, ruhig durchzuatmen und sich die Zeit zu nehmen, den betörend schönen Bahnen des silbernen Schwans zu folgen.



